Hamburg – Rotterdam – Tilbury – Santa Cruz de Tenerife (II)

Vom Leben an Bord

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Landgang in den Häfen 

Ein Landgang während der Liegezeiten ist grundsätzlich möglich, soweit die Zeit dafür sinnvoll ausreicht und auch der Weg vom Liegeplatz in die Stadt nicht zu weit ist. Das ist bei Reisen mit einem Containerschiff mit meist kurzen Liegezeiten nicht immer gegeben, sofern es sich nicht um einen kleinen, stadtnahen Hafen handelt.

Abmeldung beim Master oder 1. Offizier, ggf. Aushändigung des einbehaltenen Reisepasses und Austausch der Telefonnummern von Schiff und Passagier für den Fall, dass sich an der vorgesehenen Abfahrtszeit etwas ändert. Das Schiff wartet definitiv nicht, wenn der Passagier zur angekündigten Abfahrtszeit nicht an Bord ist. 

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Die Brücke – mit 21 Metern so breit wie das Schiff. Hier zentral der Steuerstand und an beiden Seiten außen die Nock, kleine Steuerstände für Manöver im Hafen. Dazu gesellen sich noch Funkecke, Kartentisch und Kaffeeecke.


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Der Kartentisch. Hier werden der Kurs in die Seekarten eingetragen, das Logbuch geführt und Dokumente gefertigt.

 

 

 

Auch wichtig, die Kaffeeecke. Man beachte, wie fantasievoll wichtige Kulturgüter mit Bordmitteln seefest gemacht sind.

 

Passagiere

Die „OPDR Tanger“ verfügt über zwei Passagierkammern mit Dusche und WC für je zwei Personen. Die Kammern sind unterschiedlich geschnitten und etwa 25 m² groß. Zwischen den Kammern liegt ein Freizeitraum mit Sitzecke, TV, Musikanlage und einer kleinen Bibliothek mit Büchern und Videos zur gemeinsamen Nutzung. 

Meine Kammer hatte ein Fenster mit Aussicht auf den Bug, das mit Ladung nicht verstellt war und zwei Fenster nach Steuerbord (rechts), davon eines zum Öffnen. Die Passagierkammern sind einfach und funktionell eingerichtet.

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Zwei relativ hohe Einzelkojen mit um Kopf- und Fußenden ums Eck hochgezogenen Schürzen, damit man bei schwerer See nicht aus dem Bett rollen kann.

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Ablageschränkchen neben den Kojen, ein Schrank, ein umbauter Kühlschrank, eine Couch und ein im Boden verschraubter Tisch komplettieren die Ausstattung.

 

Wer schon mal auf „AIDA“ oder „Mein Schiff“ unterwegs war, kann mit Fug und Recht die Behauptung aufstellen, dass Designer, Farbenpsychologen und Zeitgeistexperten Frachtschiffe noch nicht als Betätigungsfeld entdeckt haben. 

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Dusche und WC – klein, aber ok. Ganz wichtig sind die neben Waschbecken und in der Dusche angebrachten Haltegriffe.

 

 

Während der gut einen Woche auf See wurden vom Messman Handtücher und Bettwäsche gewechselt, das kleine Duschbad gereinigt und der Boden mehrmals gesaugt. 

Mannschaft 

Die 14-köpfige Besatzung ist international und stammt aus Rumänien, Polen, Kroatien, Cuba/Spanien, Philippinen. Bordsprache ist Englisch. Jüngster 24 Jahre, Ältester 64 Jahre alt. 

Die Wohnbereiche befinden sich im Aufbau am Heck des Schiffes. Die Brücke, genannt Wheelhouse, ist das 5. OG. Darunter liegen auf dem D-Deck (4. OG) die Kammern von Kapitän, 1. Offizier und Chefingenieur. Das C-Deck (3. OG) beherbergt den 2. Offizier und die Passagiere, das B-Deck (2. OG) und A-Deck (1. OG) die übrigen Offiziere und Mannschaften.

Auf dem Poop-Deck sind ein kleiner Konferenzraum, die zwei Messen und dazwischen die Küche untergebracht. Auf dem Hauptdeck und den darunter liegenden Decks befinden sich die Funktionsräume.

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Die hier gezeigte Offiziersmesse unterscheidet sich in Mobiliar und Ausstattung von der Mannschaftsmesse überhaupt nicht.

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Beide Messen sind mehr zweckmäßig als schön eingerichtet, in der Offiziersmesse ist es nur ein wenig aufgeräumter. 

 

Die Freizeit verbringt die Crew individuell – TV gucken, Videos gucken, Lesen, Gespräche führen, Musik machen. Stimmung herrscht oft in der Mannschaftsmesse, wenn die jüngeren Besatzungsmitglieder gemeinsam Actionvideos anschauen. Man braucht nur den Kopf zur Tür reinstecken, schon wird ein Stuhl herangeschoben und man ist mittenmang. Kein Mensch versteht die Sprache der Dialoge, die Untertitel sind z.B. rumänisch, aber alle sind lustig drauf.

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(Fotos: © eigene Fotos)

Über Taupunkt von BlogBimmel

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6 Antworten zu Hamburg – Rotterdam – Tilbury – Santa Cruz de Tenerife (II)

  1. Interessanter Bericht, der mich reizt, so etwas auch einmal zu unternehmen.

  2. sternchenschnuppe schreibt:

    Ein wahres Abenteuer , und der Bericht ist samt Fotos sehr aufschlussreich und informativ!
    ja mein Schiff habe ich schon ausprobiert, ist mir gut bekommen , war natürlich sehr viel komfortabler, aber für mich nicht das Wichtigste. Die Stabilisatoren waren so, das man Seegang auch bei Sturm nicht spürte, das ist sicher auf so einem Frachter anders, gell? Seefest bin ich nämlich nicht. Prima Beitrag.. eine schöne Zeit auf Teneriffa und herzliche Grüße Sternchen..

  3. Susanne Haun schreibt:

    Danke für den Einblick! Ich habe mich schon immer gefragt, wie es ist, in einem Containerschiff mitzufahren.

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