Von Schuhen, Vertrauen und einer aufgeschobenen Entscheidung

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… also, als Mann habe ich ja ein emotionsloses Verhältnis zu Schuhen. Entschuldigung die Damen, aber die sind für mich halt Gebrauchsgegenstände wie die Zahnbürste, die Jeans oder das Auto. Für mich wohlgemerkt.

Seit Studienzeiten beziehe ich mein Schuhwerk aus einer Fabrik, die zwischen Hannover und Bremen fast inmitten des Nirgendwo residiert. Natürlich fährt man nicht für ein einziges neues Paar Schuhe dahin. Nein, bis zu einem halben Dutzend kommen da jeweils zusammen, die reichen dann schon für ein paar Jahre.

Früher, in den 70er- und 80er-Jahren, war das ein echter Fabrikverkauf aus schmucklosen Regalen in muffigen Kellerräumen. Als dann Fabrikverkauf und Outlet modern wurden, stampfte dieser traditionsreiche Hersteller von Männerschuhwerk auf seinem Gelände ein sehr repräsentatives Verkaufszentrum aus dem Boden. Nun gab es auch Damenschuhe, Oberbekleidung, Accessoires u.v.m. Daran wäre die Firma fast zugrunde gegangen.

Nicht nur durch die fehlerhafte Finanzierung geriet das Unternehmen in eine Schieflage, auch die Qualität der angebotenen Kernprodukte brach ein. Mir schien nach einem Großeinkauf, als verkaufe man nun auch definitiven Ausschuss als B-Ware und B-Ware als Premium. Kurzum: Mein Vertrauen war erst einmal dahin. Sie scheinen aber die Kurve genommen zu haben, denn es gibt sie immer noch. Nur war ich seit dem Reinfall nicht mehr dort.

Als nun meine letzten fehlerfreien XY-Schuhe aus der Fabrik im Nirgendwo so weit verschlissen waren, dass eigentlich ein Neukauf anstand, ging ich in mich. Doch wieder raus ins Nirgendwo fahren? Fremdgehen? Ich wich der Entscheidung aus und wählte als Notlösung einen dritten Weg. Ganz in meiner Nähe gibt es einen kleinen handwerklichen Laden. Schlüssel werden dort gefertigt, Näharbeiten erledigt, Batterien aus Uhren gewechselt und auch Schuhe repariert. Ohne große Erwartungen gab ich mein Schuhwerk zur gründlichen Generalüberholung ab. Erst einmal nur ein Paar, zur Probe sozusagen.

Und was soll ich euch sagen, das Ergebnis sah sehr überzeugend aus und fühlte sich auch so an. Hätte nicht gedacht, dass der Laden eine so gute Arbeit abliefert.

Mittlerweile sind zwei weitere Jahre ins Land gegangen, der Bodengruppe der überholten Schuhe sieht man es auch wieder an. Ja, die quälende Entscheidung, ob Neukauf traditionell, aber mit Unbehagen oder die endgültige Aufgabe einer mehr als das halbe Leben andauernden Beziehung ist wiederum aufgeschoben. Der Laden meines Vertrauens legt wieder Hand an.

(Foto: © eigenes Foto)

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7 Antworten zu Von Schuhen, Vertrauen und einer aufgeschobenen Entscheidung

  1. TheHikingHighHeel schreibt:

    Also doch keine emotionslose Beziehung ;)? Ich habe ca. 200 Paar (jaaaa, ich weiß, klingt schockierend), davon allein 6 Paar Wanderschuhe für alle Lebenslagen… Musste nie Schuhe reparieren lassen, denn manches Paar kommt vielleicht ein Mal im Jahr dran 😀

  2. sugar4all schreibt:

    Ich finde es gut – es freut sich der kleine Handwerker und es freut sich die Umwelt! 🙂

  3. maribu schreibt:

    ich kaufe auch gerne Schuhe, aber meistens die falschen, wo gibts denn diese guten Schuhe ?
    bequem müssen sie sein für mich. keine High Heels. Meine Füsse nehmen das übel. Ich hatte vor Jahren einen Trümmerbruch und kann nur noch in flachen Schuhen laufen.

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